Achtsames Naturerleben – ein Projekt mit Kindern und deren Elternteilen in drei Kitas.

Ein gemeinnütziger Träger im sozialen Bereich sprach mich an, ob ich eine Idee zu einem Tagesprogramm für Kinder und deren Elternteile von mehreren Kindertagesstätten habe. Das Angebot sollte ein Gegengewicht zu den Nachwirkungen von Corona & Co. darstellen, möglichst ohne Aufwand zu realisieren sein und den Elternteilen Impulse bieten, die nachwirken bzw. weitergeführt werden können.

Schnell war klar, dass ein achtsamkeitsbasiertes Programm in der Natur diese Anforderungen erfüllt. Ich habe mir ein Bild der Umgebung der einzelnen Einrichtungen gemacht und passende Wege ausfindig gemacht, um einen achtsamen Naturspaziergang durchzuführen.

Ein Aushang wurde erstellt. Nach einem Tag haben sich bereits über 20 Elternteile mit ihren Kindern angemeldet. Sie waren glücklich, nach der langen Zeit endlich mal wieder in der Gruppe raus zu kommen und gemeinsam eine unbeschwerte Zeit zu verbringen. In den beiden weiteren Einrichtungen wiederholte sich der Erfolg. Und ja, es kamen sogar Geschwister mit. Denn es waren gerade Sommerferien. Die Kinder wurden sowohl von ihren Müttern als auch Vätern begleitet.

Naturerleben mit Kindern und Eltern: Wie sah unser achtsamer Ausflug aus?

Tatsächlich sind im ersten Durchlauf drei Gruppen mit 9, 5 und 9 Kindern plus Elternteil entstanden, die jeweils 2 Stunden mit ausreichend Wasser und Picknick und mit mir in der Natur unterwegs waren. Begleitet wurden wir jeweils von einer Erzieherin.

Durch die kleinen Entdeckungen am Wegesrand tauchten wir ab in eine andere Welt. Wir summten wie die Bienen, wuchsen als kleine und kräftige Bäume auf der Grünfläche hinter der Einrichtung, bewegten unsere Armen sanft oder auch wild als seien sie Äste und Zweige im Wind, manche zappelten mit ihren Fingern und schüttelten so ihr Laub und manche Sorgen ab. 

Wir suchten nach Farben und Düften. Wir stellten die Welt anhand von kleinen Spiegeln auf den Kopf, kitzelten uns mit Gräsern und balancierten auf umherliegenden Ästen. 

Zudem gab es während unseres Ausflugs Anregungen zu verschiedenen kleinen Atemübungen, die jeweils beruhigend oder aktivierend wirken können.

Zum Schluss entstanden kreative Bilder, die als Erinnerung an diesen Ausflug mit nach Hause genommen wurden.

KLebekarten Blüten
Karteikarten mit Blüten beklebt

Warum einen achtsamen Naturspaziergang? Ist das nicht zu langweilig?

Auch ohne Corona leben Kinder heutzutage oft in einem Umfeld mit hohem Medienkonsum. Das Konzentrieren und Fokussieren auf eine Sache wird zunehmend schwieriger, die meisten Tätigkeiten dienen eher der Zerstreuung und Ablenkung. Außerdem ist es laut geworden in der Welt: Zivilisations- und Umweltlärm steigern den Stresspegel. Kinder haben weniger Bewegung. Viele Kinder kannten weder Park- noch Waldaufenthalte.

Unser Ausflug war das perfekte Gegenprogramm. Während unseres achtsamen Naturspaziergang wurden die Kinder ruhiger, sie freuten sich über die kleinen Entdeckungen am Wegesrand und teilten ihre Freude und Schätze mit allen Beteiligten. So kamen sie auch wieder in den Kontakt mit sich und anderen Menschen. Sie tauschten sich aus, nahmen sich wahr. Wie lange sie sich plötzlich mit kleinen Dingen beschäftigen konnten. Mit welcher Hingabe sie mit Lupen die Welt entdeckten. Hoch konzentriert beobachteten sie wie sich die klebrige Schnecke fortbewegt und wie sich ihre Fühler bewegten. Ohne, dass sie jemand trieb. Sie konnten verweilen, sich die Zeit nehmen, die sie brauchten. Jeder und alles wurde wichtig genommen. Niemand rief, „wo bleibst du denn?“ oder „Trödel nicht so“. Die Elternteile ließen sich anstecken von der Freude und Neugierde der Kinder. Auch von der Langsamkeit. Dadurch kamen auch sie zur Ruhe.

Worum ging es bei dem Ausflug mit den achtsamkeitsbezogenen Naturerfahrungen?

Wir nutzten die Natur in der Nähe der Einrichtungen für einen veränderten Blickwinkel. Die Alltagsumgebung wurde anders erfahren und neu entdeckt.

Es ging dabei nicht um Wissensvermittlung, eine gezielte Beschäftigung in der Natur oder die Erarbeitung eines Themas. Es war ein Spaziergang zum Entdecken. Wir ließen uns auf das ein, was kam, was sich uns zeigte, was uns die Umgebung in diesem Moment bot. Wir schafften Freiräume.

Es ging um die kleinen Dinge. Darum, die Natur wahrzunehmen, sie mit allen Sinnen zu erleben, die Vielfältigkeit zu erkennen: wir versanken im Moment, rochen an Blumen und Blüten, beobachteten Tiere oder Pflanzen, Flechten, Käfer und Insekten, schmeckten den Regen, balancierten über Äste und erfuhren so nebenbei etwas über die Natur. Wir wurden selbst zu Bäumen im Wind oder summten wie die Bienen, und spielten mit unserem Atem.

So entwickeln wir ganz nebenbei einen Bezug zur Natur. Und wir alle wissen: Was wir kennen und lieben, das schützen wir auch!

Ein achtsamer Zugang zur Natur fördert Entspannung, das körperliche und seelische Wohlbefinden, die Kommunikation und soziale Kontakte.

Sich zu vertiefen ohne Ablenkungen, sich mit EINER Sache zu beschäftigen, fördert die Konzentration, neues zu entdecken, macht glücklich – nicht nur die Teilnehmer – auch mich.

Einige Elternteile bemerkten, dass es gar nicht notwendig ist, Kinder stets und durchgängig aktiv zu bespaßen. Sie nahmen wahr, dass es insgesamt entspannter wird, wenn sie sich nach den Bedürfnissen der Kinder richten und einfach mal abwarten, was passiert. Viele waren sichtlich beeindruckt und berührt, wie begeisterungsfähig und wissbegierig ihre Kinder sein können und wie sie sich untereinander begegneten, sich Neuentdeckungen zeigten und unterstützten. Den Kindern ging es gut, weil sie mal wieder einen intensiven Kontakt spürten und sich angenommen, wahrgenommen und ernstgenommen fühlten.

Den Eltern wurde bewusst, wie wertvoll es ist, die Kinder mal sich selbst zu überlassen und ihre Kreativität anzuregen. Darauf zu vertrauen, dass sie sich selbst zu beschäftigen wissen und auch etwas mit sich anfangen können.

Sicherlich: Das Los-und Einlassen fällt einigen Eltern schwer. Es kann aber auch zur Entlastung werden. Sie schaffen sich so möglicherweise etwas mehr Zeit für eigene Verpflichtungen oder einfach etwas Entspannung. Und das fördert die Gesundheit und schont die Nerven!

Eine unserer erprobten Atem- und Achtsamkeitsübung: Die Bienenatmung

Schließe deine Ohren mithilfe deiner Zeigefinger. Drücke dabei die Finger jeweils auf den Ohrknorpel. Nimm einen tiefen Atemzug durch die Nase und achte darauf, dass der Mund geschlossen ist. Erzeuge dann durch die Ausatmung einen summenden Ton. Wiederhole den Vorgang für 6-8 Atemzüge. Mit geschlossenen Augen wird die Wirkung noch verstärkt.

Ob Du die Übung im Sitzen, Liegen oder Stehen durchführst, bleibt Dir überlassen.

Positive Wirkungen: 

  • Dein aufgeregter Geist kommt zur Ruhe. 
  • Anspannungen, Ängste und Blockaden werden gelöst
  • Wut, Frust und Ärger werden gemindert. 
  • deine Konzentrations- und Gedächtnisleistung werden verbessert, 
  • dein Selbstvertrauen wird gestärkt
  • dein Blutdruck wird reguliert.

Danke Ihr lieben Eltern für Eure Zeit, Euer Vertrauen und dass Sie sich allesamt so eingebracht und füreinander gesorgt haben. Die drei Spaziergänge haben mir viel Freude bereitet! Ich freu mich auf ein nächstes Mal!

Bleibt neugierig und gesund!

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